Bastian sagt:
Um ehrlich zu sein mag ich gar keinen Fisch, aber meine Mutter meinte vor kurzem doch ernsthaft, dass Walfang vielleicht doch gar nicht so schlecht sei. Sie hatte irgendwo gelesen oder gesehen, dass Wale doch viel mehr Fisch pro Jahr vertilgen würden als wir überhaupt fangen könnten und deshalb Schuld seien an der Überfischung.
Ich hab das als Blödsinn abgetan, aber mal geschaut ob es nicht irgendwo Veröffentlichungen dazu gibt die mein Gefühl bestätigen. Und ausgerechnet bei Greenpeace bin ich dann fündig geworden die ein Paper von Kristin Kaschner & Kollegen verlinkt haben. Dabei bin ich eigentlich kein großer Fan von Greenpeace, sind die doch gerade in Sachen Chemie etc. gerne mal dabei mit gefährlichem Halbwissen Panik zu schüren um Leute auf ihre Seite zu bringen.
Aber zum Paper selbst: Das Team um Frau Kaschner aus British Columbia hat ein Modell entwickelt um zu schauen wo sich überhaupt Wale und kommerzieller Fischfang im Nord-Atlantik in die Quere kommen. Doch nicht um zu überprüfen ob Wale uns das Essen nehmen. Sondern um zu schauen ob wir durch die Fischerei mitschuld am Rückgang der Walzahlen sind. Was aber für unsere Betrachtung recht egal sein dürfte, das Ergebnis zählt mehr oder weniger ja in beide Richtungen.
In das Modell flossen dabei Daten über Populationsgrößen, geschlechtsspezifische Masse der Tiere, ihren gewichtsspezifischen Nahrungsbedarf, was sie überhaupt fressen und natürlich ihre Verbreitung an den jeweiligen Punkten im Atlantik ein. Auf der anderen Seite kamen auch die Fangdaten der Fischereien, inklusive der Unterteilung in die gefangenen Fischtypen, in das Modell. Die ganzen mathematischen Gleichungen dafür erspare ich euch hier wieder. Wer sich dafür interessiert kann es natürlich in der Veröffentlichung nachlesen.

In der Tabelle zeigt sich dann wieviel Tonnen Nahrung entweder von den Fischereien aus dem Meer gezogen wird oder wieviel die Meeressäuger halt so wegfuttern, unterteilt in deren Ordnungen. Und bis hierhin sieht das für die Wale und die anderen fischfutternden Meeressäuger wirklich nicht zu gut au. Übersteigt deren Konsum den Fang doch um einiges.
Das Bild ändert sich erst wenn wir uns stattdessen mal die nächste Grafik anschauen die zeigt wo denn überhaupt eine wirkliche Überschneidung von Fischerei und Walaktivität stattfindet.

Hier sieht man schnell: So groß ist der Bereich gar nicht in denem Mensch und Tier um die Nahrungsquellen konkurrieren. Nur in Küstennähe kommt es zu Überschneidungen. Und das dürfte für beide Betrachtungsweisen nicht ausreichen, weder das wir den Walen die Lebensgrundlage komplett entziehen noch andersrum.
Nett übrigens auch die Anmerkung warum Walfang eine blöde Idee ist: Whale-Watching. Alleine im Atlantik werden damit jedes Jahr gut 350 Millionen US-Dollar verdient, weltweit sogar über eine Milliarde Dollar (nur Schade, dass der nichts mehr Wert ist).
Und das Fazit: Vermutlich essen uns die Wale nicht den Fisch weg, und selbst wenn es so wäre sollten wir überlegen ob wir nicht lieber wo anders Fischen und dafür die dicke Kohle mit den Touristen machen die Wale sehen wollen.




Quelle weiß ich leider nicht mehr, aber im circum-antarktischen Ozean ist zu beobachten, daß die Menge an Krill und damit auch an krillfressenden Fischen abnimmt, wenn die Zahl der Wale zurückgeht. Ökosysteme sind halt etwas komplizierter als daß das die engstirnige Sichtweise von Politikern, Fischern und Bildzeitungslesern verstehen kann.
Gibt es in der Biologie nicht sowieso so eine Art Regel, daß sozusagen die gejagten Tiere entscheiden, wieviele Jäger es gibt, und nicht umgekehrt?
Japs, du meinst vermutlich die Räuber-Beute-Beziehung bei der die Anzahl der Gejagten beeinflusst wieviele Räuber es gibt (schliesslich können sich auch nur soviele Räuber ernähren): http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4uber-Beute-Beziehung.
Und ja, Ökologie ist um einiges komplexer als man es meist mit ein paar wohlklingenden Schlagworten fassen kann.
[...] den Mythos der Wale die uns die Meere leerfressen hatten wir hier schon einen Beitrag. Doch Überfischung bis zum völligen Kollaps der [...]